Aus dem Verhörprotokoll des Georg Pötscher wissen wir, dass sein Bruder Gregor Pötscher nach Regensburg ging. Im Protokoll sagt Georg Pötscher aus, dass ein gewisser „Tishler“ aus Regensburg dreimal bei ihnen vorstellig wurde. Letztlich wurde – auch auf Geheiß der Mutter – der unverheiratete Gregor auf die lange Reise geschickt. Er sollte den Vertretern des Corpus Evangelicorum die Vorkommnisse um seinen Vater bezeugen.
Insgesamt ist Gregor vom Montag nach dem Dreifaltigkeitssonntag (29. Mai) bis zum Freitag nach dem Schutzengelsonntag (8. September) 1752 unterwegs. Dies sind 103 Tage oder 14 Wochen und 5 Tage.
Doch welche Route hat er genommen, wie lange dauerte eine Reise nach Regensburg und wie lange hielt er sich dort auf?
Grundsätzlich war es den Untertanen verboten, eine solche Reise zu unternehmen. Dass Gregor (zusammen mit anderen) in Regensburg war, blieb jedoch auch den Vertretern des Hofes nicht verborgen. Am 31. Juli 1752 schreibt die Herrscherin Maria Theresia an den Präsidenten der oberösterreichischen Repräsentation und Kammer, Franz Reinhold Graf von Andlern und Witten, und erwähnt Gregor Pötscher.

Tishler, der Gesandte aus Regensburg, wird wohl die Bücher- und Bibelschmuggelrouten der damaligen Zeit genutzt haben. Diese Verbindungen wurden in jener Zeit auch als Fluchtwege für die freiwillige Emigration verwendet.
Einige der Pfade wurden überliefert. 2008 entstand daraus der sogenannte Weg des Buches, ein evangelischer Pilgerweg zwischen Agoritschach bei Arnoldstein und nach Passau in Bayern. Eine andere, für die Reise Pötschers nach Regensburg plausiblere Strecke findet sich hier:

Die Route lautete also:
Zwein – Reichenau – Stadl an der Mur – Ranten – Schöder – St. Nikolai im Sölktal – Stein an der Enns – Mitterndorf – Bad Aussee – Lauffen – Bad Ischl – Weißenbach am Attersee – St. Georgen im Attergau – Mösendorf – Vöcklamarkt – Frankenburg am Hausruck – Grenzübertritt – Waldzell – Kirchheim im Innkreis – St. Georgen bei Obernberg – Obernberg am Inn – Tettenweis – Ortenburg – Hilgartsberg – Osterhofen – Plattling – Regensburg
Das Innviertel gehörte bis zum Frieden von Teschen (1779) zum Herzogtum Bayern. Deshalb erfolgte der Grenzübertritt damals nicht – wie heute – am Inn, sondern bereits zwischen Frankenburg am Hausruck und Waldzell.

Die erwähnten Stundenangaben ergeben zusammen 82,5 Stunden. Ab Plattling (Plattlingen) sind keine weiteren Stundenangaben mehr ausgewiesen; man kann jedoch davon ausgehen, dass der Fußmarsch von Plattling nach Regensburg etwa 17 Stunden betrug.
Wahrscheinlich hat die Anreise somit insgesamt rund 14 Tage gedauert.
Geht man davon aus, dass die Rückreise in ähnlicher Weise erfolgte, hielt sich Gregor Pötscher etwa 10 bis 11 Wochen in Regensburg auf.

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