In Klagenfurt-St. Peter, gleich hinter dem Kinokomplex CineCity, befindet sich eine knapp 100 Meter lange Straße, die nach einem Kraigerberger benannt ist. Die am 30. Juni 1987 benannte Bernthalergasse erinnert an Franz Bernthaler, einen gebürtigen Zweiner, der damit Eingang in die Annalen der Stadt Klagenfurt gefunden hat.
Im 2025 erschienenen Buch „BUTTINGER – Links das Herz, Rechts der Tod“ des Frauensteiner Autors Philipp Novak, das sich mit Nationalsozialismus und Widerstand in St. Veit an der Glan beschäftigt, wird auch Franz Bernthaler näher beleuchtet.
Anbei eine ausführlichere Schilderung des Lebens Bernthalers:
Franz Bernthaler wurde am 26. Oktober 1889 gegen 22 Uhr in Zwein 1, vulgo Skrabiner (umgangssprachlich „Schtrabin“ genannt), geboren. Seine Mutter Catharina Bernthaler war dort als Mahrin, also als Verwalterin des Betriebs, tätig. Der Bauernhof Skrabiner befand sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts im Besitz von Josef Fasching, Schlossbauer in Zwein, der jedoch Anfang der 1880er-Jahre auf den von ihm erworbenen Doppelsbichler Hof in Zensweg, oberhalb der Stadt St. Veit an der Glan, übersiedelte. Dessen Vater Johann Fasching – beziehungsweise dessen früher Tod – dürfte einen Ursprung der Sage vom geisternden Schlossbauer gebildet haben.
Als Taufpate Franz Bernthalers scheint Josef Radinger, vulgo Mirnig, aus Schaumboden auf. Bernthalers Großmutter Theresia Bernthaler arbeitete bei ihm als Magd.
Da Bernthalers Mutter Catharina noch 1917 als Näherin in Zwein erwähnt wird, dürfte Franz Bernthaler dort aufgewachsen sein und die Volksschule in Eggen am Kraigerberg besucht haben. Über seinen weiteren Bildungsweg liegen bislang keine gesicherten Erkenntnisse vor.
Erst im August 1909 lässt sich seine Biografie wieder fassen, als er zum Unterlehrer in Glanhofen ernannt wurde. Bereits im November desselben Jahres erfolgte seine Versetzung nach St. Leonhard bei Siebenbrünn (Gemeinde Arnoldstein). Nach bestandener Lehrerbefähigungsprüfung im November 1911 wurde er im Jänner 1912 vom Unterlehrer zum Lehrer in St. Leonhard befördert.
Während des Ersten Weltkriegs wurde Franz Bernthaler als Soldat eingesetzt. Am 21. November 1914 berichtete die Zeitung Lavantaler Bote, dass der Lehrer Franz Bernthaler aus St. Leonhard bei Siebenbrünn im Kampf durch einen Schuss in den Oberarm verletzt worden sei.
Am 23. April 1917 heiratete der damals 27-jährige Bernthaler, Lehrer in St. Leonhard und k.k. Fähnrich des Gebirgsschützenregiments Nr. 1, die gleichaltrige Johanna Haložnik aus Anblick in der Pfarre Abstall (heute Pogled, Pfarre Apače in Slowenien). Die Trauung fand in Leoben-Waasen statt. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor.

In den Jahren 1919 bis 1920 war Bernthaler Mitglied der Sozialdemokratischen Partei. Im April 1921 verließ er St. Leonhard bei Siebenbrünn und wurde als Lehrer nach St. Peter in Holz bei Spittal an der Drau versetzt, in die Nähe der spätantiken Stadt Teurnia.
1926 trat er dem national-konservativen Kärntner Heimatschutz bei und bekleidete bis zu dessen Auflösung die Funktion des Obmannes in St. Peter. Nach der Eingliederung des Heimatschutzes in die paramilitärische Organisation der Vaterländischen Front im Jahr 1936 behielt er diese Funktion bei. Im selben Jahr wurde er zudem zum Gau-Jugendführer für den Gau Oberland ernannt. Bis 1938 gehörte er der Vaterländischen Front an, der Einheitspartei des österreichischen Ständestaates unter Engelbert Dollfuß und später Kurt Schuschnigg.
Als überzeugter Gegner des Nationalsozialismus wurde Franz Bernthaler am Tag der nationalsozialistischen Machtergreifung im März 1938 verhaftet. Zu diesem Zeitpunkt war er 48 Jahre alt und hatte die schulische Laufbahn bis zum Schuldirektor durchlaufen. Nach zwei Monaten Schutzhaft wurde er aufgrund des Berufsbeamtengesetzes aus dem Schuldienst entlassen. Arbeitslos und in finanziellen Schwierigkeiten verließ er mit seiner Familie den Wohnort Feicht bei Lendorf und fand Unterkunft in einem aufgelassenen Pferdestall in Oberhaidach bei Klagenfurt.
1940 fand Bernthaler in Klagenfurt eine Anstellung als Rechnungsrevisor in der Finanzkammer der Diözese Gurk. Dort lernte er auch den Pfarrer Anton Granig kennen und schloss sich der katholisch und monarchistisch geprägten Widerstandsgruppe Antifaschistische Freiheitsbewegung Österreichs (AFÖ) an, die 1941 von Granig und dem ehemaligen Kärntner Landtagsabgeordneten Karl Krumpl gegründet worden war.
Im Sommer 1943 wurde die AFÖ von der Gestapo zerschlagen. Franz Bernthaler wurde das versuchte Verteilen regimekritischer Flugblätter zur Last gelegt.

Nach mehr als einem Jahr Untersuchungshaft in Wien wurde er gemeinsam mit seinen Mitstreitern wegen „Feindbegünstigung“ zum Tode verurteilt. Die Vollstreckung des Urteils wurde jedoch zunächst aufgeschoben. Während drei seiner Söhne im Dienst der Wehrmacht standen, befand sich Franz Bernthaler bis April 1945 im Todestrakt des Wiener Landesgerichts.

Als die Rote Armee im Frühjahr 1945 nur noch wenige Kilometer vor Wien stand, wurden Bernthaler und weitere Todeskandidaten zu Fuß über Stockerau und Maissau nach Stein an der Donau getrieben. Völlig entkräftet erreichte die Gruppe am 9. April 1945 das Zuchthaus Stein. Dort hatten sich wenige Tage zuvor das sogenannte „Massaker im Zuchthaus Stein“ sowie die verharmlosend als „Kremser Hasenjagd“ bezeichneten Endphaseverbrechen ereignet, denen zwischen 400 und 500 Häftlinge, Justizbedienstete und Zivilisten zum Opfer gefallen waren.
Sechs Tage später, am 15. April 1945, wurden Franz Bernthaler, der Pfarrer Anton Granig sowie 44 weitere Wiener Häftlinge von Angehörigen der Gestapo ermordet. Sie wurden paarweise in den Gefängnishof geführt und dort erschossen.
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