Schon als Kind habe ich mich gefragt, woher der Name Zwein eigentlich stammt. Während sich die Herkunft vieler Ortsnamen nur schwer klären lässt, kann diese Frage für Zwein vergleichsweise gut beantwortet werden.
In einer mittelalterlichen Tauschurkunde aus dem Jahr 1205, die im Kärntner Landesarchiv aufbewahrt wird, tauscht der Landesherr Herzog Bernhard mehrere Bauernhöfe und Grundstücke zwischen zwei Parteien. Gottfried, Ritter zu Grafenstein und Ministeriale des Herzogs, überlässt dabei seinen lehensfreien, sogenannten Allodialbesitz in Zemgoyesdorf dem Abt des Klosters Viktring. Im Gegenzug erhält er von Abt Konrad fünfzehn Bauernhöfe bei Grafenstein. Unter den vierzehn Zeugen dieses Tausches finden sich neben den Herren von Himmelberg, Osterwitz oder Karlsberg auch ein Hemze de Zeboym. Aus dem Namen Hemze entwickelte sich später der heutige Vorname Heinz, aus Zeboym schließlich der heutige Ortsname Zwein.
Ein weiterer Vertreter dieses Namens, Iacobus de Zeboy, wird im Jahr 1244 in einer Urkunde des Stiftes St. Paul im Lavanttal genannt, die sich heute im Staatsarchiv in Wien befindet. Er ist dort neben anderen adeligen Herren als Zeuge angeführt. Ebenfalls genannt wird ein Chüno de Vriberch. In den folgenden zwölf Jahren erscheint Jakob sehr häufig als Zeuge in Urkunden der spanheimischen Herzöge, meist in Verbindung mit den Freibergern.
Im Jahr 1245 schenkt Jakob de Zoboi gemeinsam mit seiner Frau Heilewige dem Kloster Viktring eine Hube in „Jauwernich“, im Ahornwald bzw. -gebiet, dessen Name sich vom slowenischen javor für Ahorn ableiten lässt. An dieser Urkunde ist ein Siegel angebracht, in dem Jakob als „milites de Vreyberg“ – „Ritter von Freiberg“ – bezeichnet wird. Das auf dem Siegel dargestellte Wappen ist im J. Siebmacher’s großen und allgemeinen Wappenbuch unter „Der steirische Uradel“ abgebildet und ist auch auf Burg Freiberg zu sehen.


Bild „Burgruine Freiberg 05“ von Niki L., lizenziert unter CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/)
Doch woher stammt der Name Zeboym?
Eberhard Kranzmayer schreibt 1958 in seinem Ortsnamenbuch von Kärnten, der Name stamme vom slawischen Eigennamen Seboj.
Eine andere Theorie, erstmals 1890 von Richard Müller aufgestellt, sieht in Zeboy eine Kurzform von Zebegoi. Über 120 Jahre später vertritt auch Stefan Eichert in seinem 2012 erschienenen Buch Frühmittelalterliche Strukturen im Ostalpenraum – Studien zu Geschichte und Archäologie Karantaniens diese Herkunft.
Zebegoi war ein slawischer Adeliger im sogenannten Kroatengau, der sich im 10. Jahrhundert im Raum um St. Veit an der Glan und westlich davon befand. Am 9. Juli 993 schenkt Kaiser Otto III. diesem Zebegoi mehrere Güter im Kroatengau sowie in der Grafschaft des Grafen Otker (Ottokar), der als Gewaltbote – Vertreter der Obrigkeit – in Kärnten fungierte. Die insgesamt fünfzehn Güter lagen zwischen Feldkirchen und St. Veit an der Glan, nördlich der Glan an den Südhängen der Wimitzer Berge.
Der Name Zebegoi wiederum leitet sich vom slawischen Vollnamen Seběgojb ab, der aus dem Reflexivpronomen se-bě(„sich selbst“) und -gojb („erhalten, stärken, nähren“) besteht und sinngemäß etwa „der sich selbst erhält bzw. stärkt“ bedeutet.
Bis aus Seběgojb jedoch Zwein wurde, durchlief der Name zahlreiche Varianten. Zwischen den Nennungen Zeboy im Jahr 1315 und Zwain im Jahr 1528 lässt sich zwar keine direkte Erwähnung nachweisen, dennoch kann eine Kontinuität belegt werden. So wird die Ortschaft bereits 1296 „an dem Zeboyen bei Freiberg“ genannt, und 1315 erscheint erstmals die später – erst mit den Reformen Kaiser Josephs II. in den 1780er-Jahren – abgekommene Margaretenkirche in den Quellen.
Von 1528 bis ins 20. Jahrhundert wechselt die Schreibweise schließlich fast ausschließlich zwischen Zwain und Zwein.
- Seběgojb (slaw. Vollnamen)
- 993 Zebegoi (Urkunde – Schenkung/Kaiser Otto II)
- 1205 Zeboym, Hemze de (Urkunde – Zeuge/Herzog Bernhard)
- 1244 Zeboy, Jacob de (Urkunde – Zeuge/Herzog Bernhard)
- 1245 Seboyn, Jacob de (Urkunde – Zeuge/Herzog Bernhard)
- 1245 Zoboi, Jacob de (Urkunde – Zeuge/Herzog Bernhard)
- 1249 Zeboia, Jacob de (Urkunde – Zeuge/Herzog Bernhard)
- 1256 Scheboy, Jacob de (Urkunde – Zeuge/Herzog Ulrich III)
- 1296 Zeboyen, an dem – bei Freiberg (Urkunde – Schenkung/Elezpet v. Freiberg)
- 1303 Zwinacz, uf den (Urkunde – Schenkung/Mathey v. St.Veit)
- 1315 Zeboy, auf dem – Margarethenkirche (Urkunde – Schenkung/Kunigund v. Freiberg)
- 1486 Sebann (Urbar St. Georgen/Längsee)
- 1528 Zwain (Urbar Kraig)
- 1559 Zwain (Urbar Kraig)
- 1561 Zabay (Arme Leute Bruderschaft Maria Saal)
- 1607 Zwayen (Verdächtige Personen Pfarre Obermühlbach)
- 1665 Zwein (Kraig Trauungsbuch I)
- 1668 Zwain (Kraig Trauungsbuch I)
- 1681 Ziwein (Kraig Trauungsbuch I)
- 1689 Zwayn (Verdächtige Personen Pfarre Kraig)
- 1720 Zwain (Kraig Trauungsbuch I)
- 1770 Zwein (Kraig Geburtsbuch III)
- 1801 Zwain (Eggen Taufbuch I)
- 1850 Zwein (Klagenfurt Johanneskirche Konfirmationsbuch I)
- 1900 Zwein (Klagenfurt Johanneskirche Konfirmationsbuch I)
- 1913 Zwain (Kraig Sterbbuch VIII)
- 1938 Zwein (Amts- und Adressbuch 1938)
- Zwein
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