In meinem Blogbeitrag über das Verhörprotokoll von Georg Pötscher habe ich bereits erwähnt, dass er 1750, ein paar Monate nach der Hinrichtung seines Vaters, Maria Kanatschnigg, Tochter des vulgo Raunegger am Gray, geheiratet hat. Aus dieser Ehe entstammten sechs Kinder. Beim Verhör 1753 gibt er an, er hätte zwei Kinder und ein drittes sei „anzuhoffen“.
In den Kirchenbüchern von Kraig finden sich folgende Einträge:
3. Januar 1751:
Franciscus, Sohn des Georgio Pörtschger, Holzarbeiter/Zimmermann und Einwohner bei seinem Bruder an der Kogler Hube, und seiner Maria, wird getauft.
Pate: Franciscus Pötscher, Bauer an der Kogler Huben.9. Januar 1752:
Maria, Tochter des Georgio Pötschger, Bruder des Bauern an der Kogler Huben, und seiner Elisabeth, wird getauft.
Patin: Maria Pötschgerin.23. Februar 1753:
Georgius, Sohn des Georgio Pötschger, Einwohner bei seinem Bruder, dem Kogler Bauern in Zwein, und seiner Maria, wird getauft.
Pate: der Bruder Franciscus Pötschger, Bauer an der Kogler Huben.
Beim Eintrag der Tochter Maria wurde wahrscheinlich der Vorname der Mutter und der Patin vertauscht.
Das Datum der Taufe des Sohnes Georg liegt vor dem Datum des Verhörprotokolls. Entweder hat das Verhör bereits früher stattgefunden, oder Georg war schon eine Zeit zuvor in Albegg arrestiert, da er angab, auf ein drittes Kind „anzuhoffen“.
Dass Georg, wie auch seine Mutter Ursula, arrestiert waren, wissen wir aus einem Dokument, das sich im Kärntner Landesarchiv befindet. Da die Religionskommissäre nur für Oberkärnten eingesetzt wurden, ist es im „Privatarchiv Millstatt“ unter „Reformation“ abgelegt. Kommissär Johann Michitsch regt darin an, den Bruder Georgs, den Koglerbauern Franz Pötscher, zur Begleichung der Verpflegungskosten heranzuziehen. Hier wird auch erwähnt, dass Ursula, die Witwe des hingerichteten Johann Pötscher, nach „langem Zureden“ das katholische Glaubensbekenntnis abgelegt hat, Georg jedoch als „halsstarriger Ketzer“ in das Detentionshaus nach Klagenfurt eingeliefert worden ist.
Die Detentionshäuser waren keine gewöhnlichen Haftanstalten, sondern eher Umerziehungsheime. Personen, bei denen man noch die Hoffnung hatte, sie auf den „rechten römisch-katholischen Weg zu bringen“, wurden dorthin gebracht; hoffnungslose Fälle wurden transmigriert, das heißt ausgewiesen.

Ew. Gnaden, wohlgeborener gnädiger Herr!
Es ist Ew. Gnaden ohnehin bekannt, dass Ursula Pötscherin, vulgo Koglerin, nebst ihrem Sohn Georg Kogler wegen ihres amtlich einbekannten Irrglaubens allhier in Albegg einige Zeit in Verhaft gelegen und also durch ihr allda Sitzen einige Verpflegungsunkosten verursacht haben. Gleichwie aber diese nach langem Zureden der allhiesigen Geistlichkeit endlich in sich gegangen, ihren Irrtum verworfen und das Glaubensbekenntnis abgelegt, ist diese wiederum von hier entlassen worden; er, Georg Kogler aber, als ein halsstarriger Ketzer, jüngsthin nach Klagenfurt in das Detentionshaus überliefert worden.
Zu Pflege der gottliebenden Richtigkeit, auch zur Habhaftwerdung derlei ausgelegter Verpflegungsunkosten, werden Ew. Gnaden nicht abgeneigt sein, den dermaligen Besitzer der Kogler Huben, Franz Kogler, als Auszahler dieser Ursula Koglerin von grundobrigkeitlicher Seite samt dessen Inventarium längstens binnen acht Tagen gewiss alhero nach Albegg zu verschaffen, widrigenfalls ich bemüssigt würde, diese Unterbleibung dem hochlöblichen, allergnädigst angeordneten kaiserlich-königlichen Religionskonsess anzuzeigen.
Womit ich mich mit aller Hochachtung gehorsamlich empfehle.
Ew. Gnaden
Herrschaft Albegg, den 29. Juni 1753
Gehorsamer Diener
Johann Martin Michish
fürstlicher Pfleger und
weltlicher Religionskommissarius
Die Zeit im Detentionshaus muss auch Georg dazu gebracht haben, das katholische Glaubensbekenntnis abzulegen. In einem Bericht des Missionars Thomas Oberstainer vom November 1753 wird erwähnt, dass Georg wieder am Koglerhof ist.
1755 wird Sohn Johannes in Kraig getauft, 1757 wieder eine Tochter namens Maria. Die erste Tochter gleichen Namens muss bereits zuvor verstorben sein.
1757 lebt Georg Pötscher nicht mehr in der Kogler Badstube, sondern ist Einwohner in der Badstube beim vulgo Grassner in Grassen nahe der Burg Freiberg. 1760 folgt Tochter Magdalena und 1764 ein zweiter Sohn namens Georg, dessen Bruder ebenfalls zuvor verstorben sein muss.
Hier verliert sich die Spur zu Georg Pötscher in den Kirchenbüchern.
Sein Sohn Franz Pötscher, Zimmerpolier, ist 1784, als der erste evangelische Gottesdienst nach dem Toleranzpatent am Kraigerberg gefeiert wird, Einwohner der Kogler Badstube, wie zuvor sein Vater. Dieser spielte auch eine zentrale Rolle als Vorarbeiter beim Bau des ersten hölzernen Bethauses in Eggen am Kraigerberg 1785.
Ein vierfacher Urenkel des Georg Pötscher, Reinhard Gottfried Pötscher, wurde später Volksschuldirektor und Gründungschorleiter der Sängerrunde in Obermühlbach.
Ein fünffacher Urenkel, Hubert Pötscher, gründete 1947 ein Schaustellerunternehmen, das heute noch Jung und Alt am St. Veiter Wiesenmarkt (und auf vielen anderen Stationen) Freude bereitet.
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