Der erste Abdruck der Geschichte des Johann Pötscher

Nicht lange nachdem Gregor Pötscher, der Sohn Johann Pötschers, von seiner Reise nach Regensburg im Jahr 1752 zurückgekehrt war, um vor dem Corpus Evangelicorum über die Hinrichtung seines Vaters zu berichten, wurde die Geschichte 1753 veröffentlicht.

In dem Werk

„Kurze doch hinlängliche Nachricht von dem dermaligen betrübten Zustand der um der Lehre des Evangelii nach der unveränderten Augsburger Confession leidenden vielen Bedrängten in den Landen des Erzhezogthums Österreichs, dem Land ob der Ems, Steyermark und Kärnthen aus den bisher verhandelten Akten getreulich aufgesetzet und an das Licht gestellt„

welches 1753 gedruckt wurde, wird folgendes berichtet:


…Das erbärmlichste Exempel, aber auch ein solches, worin sich die barbarische Grausamkeit und die Blutbegierde zeigen, wenn es möglich wäre, die Bekenner des Evangeliums unter Blut und Tod aus dem Weg zu räumen, ist einem hochpreislichen Corpori Evangelico im Jahr 1752, im Monat Juli, von dem betrübten Sohn eines unschuldig leidenden und unverantwortlich hingerichteten Vaters vor Augen gelegt worden.

Es hatte dieser arme Mann, namens Kogler, ein Bauer aus Kärnten, mit einem anderen, der sich ihm gegenüber als ein guter Freund gestellt hatte, eine Reise gemacht, bei welcher sie von ungefähr an einen Ort gekommen waren, wo an selbigem Tage eine Wallfahrt zu einem vermeintlich wundertätigen Gnadenbild geschah.

Sie betrachteten beide den Zulauf des ungemein stark versammelten Volkes und nahmen endlich gewahr, wie nach verrichteter Andacht die zum Kirchengeräte bestellten Leute die daselbst häufig dargebrachten Opfer in Naturalien und Viktualien unter sich teilten und nach langem Zank und Streit über die Teile in ein Handgemenge untereinander gerieten, wobei der redliche Kogler gegen seinen Freund in die Worte ausbrach: „Da heißt es mit Recht: Wo ein Aas ist, da sammeln sich die Adler“, worunter er die vorliegenden Opfer verstand, über die man sich zankte.

Sein verräterischer Freund klagte ihn einige Zeit hernach an, dass er dieses Gnadenbild mit ärgerlichen Lästerungen belegt hätte, und jener wurde in gefängliche Haft gezogen, wegen seines Bekenntnisses zur evangelischen Religion auf das Strengste und Härteste gehalten und gemartert und ihm eine Gotteslästerung aufgebürdet. Der Prozess wurde mit ihm ordentlich und bloß aus Hass und Verbitterung abgehandelt und das Todesurteil über ihn ausgesprochen.

Da man ihm vor seinem Sterben noch Hoffnung gemacht hatte, dass ihm das Leben geschenkt und er wohl gar mit einer sehr leichten Strafe angesehen würde, wenn er die evangelische Religion abschwören und vorgeben wollte, dass seine ihm fälschlich aufgebürdeten Lästerungen nach dem Inhalt und den Grundsätzen der römisch-katholischen gefasst gewesen wären, er aber standhaft im Glauben bleiben und wider die Wahrheit nicht zeugen wollte, so wurde ihm mit vieler Wut noch stärker zugesetzt.

Er wurde auf die öffentliche Richtstatt gebracht, ihm die Zunge nach dem Tod aus dem Mund gerissen, selbige an den Galgen geheftet, der Kopf ihm als einem Gotteslästerer abgeschlagen und auf den Pfahl gesteckt und der Körper unter dem Galgen begraben, seine Güter aber völlig konfisziert.

Dieses unerhörte Betragen wurde von der römisch-katholischen Geistlichkeit als eine billige und noch gelinde Strafe den Untertanen vorgebildet und die Evangelischen als solche gottesvergessene und ehrschändende Leute angegeben, welche keine Landesherrschaft dulden dürfe, wenn sie noch einen Trieb für die Ehre Gottes bei sich empfindet…


In dieser, den Geschehnissen zeitmäßig am nächsten liegenden Schilderung der Vorkommnisse um Johann Pötscher gibt es einige Unterschiede zur späteren, von Pastor Samuel Sachs in der Eggener Kirchenchronik aufgezeichneten Version.

Der Ausspruch Pötschers wird hier mit „Wo ein Aas ist, da sammeln sich die Adler“ wiedergegeben. Dieser etwas sperrige Ausdruck stammt aus der sogenannten Endzeitrede Jesu von Nazareth. In der Lutherübersetzung heißt es im Matthäusevangelium, Kapitel 24, Vers 28: „Wo aber ein Aas ist, da sammeln sich die Adler“, und an der entsprechenden Stelle im Lukasevangelium, Kapitel 17, Vers 37: „Wo das Aas ist, da sammeln sich auch die Adler.“

In der Chronik von Sachs, erst 1784 niedergeschrieben, heißt es hingegen: „… dort aber säuft und balgt man sich, und es gehet zu — wie die Raben bei einem Aas.“

Welche der beiden Versionen Johann Pötscher eine Anklage wegen Gotteslästerung und schließlich seine Hinrichtung einbrachte, lässt sich aufgrund der verschollenen Gerichtsakten nicht mehr eruieren.

Das ganze Dokument gibt es online unter folgenden Link: Kurze doch hinlängliche Nachricht

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