Am 17. Februar 1776, vor 250 Jahren, erhob Kaiser Josef II. das „Theater nächst der Burg“ zum „teutschen Nationaltheater“. Während es dem Publikum sicher gefiel, dass Wien und sein Burgtheater damit zur bedeutendsten Spielstätte des deutschen Theaters wurde, dürfte die Nachricht wohl kaum bis nach Wildschönau, in der Nähe von Wörgl in Tirol, durchgedrungen sein.
Und dennoch spielten Nachkommen einer Familie aus dieser Berggemeinde eine große Rolle in der Geschichte des österreichischen Nationaltheaters sowie auch der evangelischen Gemeinde Eggen am Kraigerberg. Der Name dieser Familie lautet Hörbiger.
Zwei Enkel des Bauern Mathäus Hörbiger, welcher 1776 am sogenannten Hörbigerhof in der Wildschönau lebte, sollten Orgelbauer werden.
Der ältere, Alois Hörbiger, brachte sich den Orgelbau nach einer sehr kurzen Lehrzeit größtenteils autodidaktisch bei. Er zog von Tirol aus nach Lienz, Cilli (heute Celje in Slowenien), Wien und schließlich in den Banat (heute Serbien). Er wurde von Kaiser Franz Joseph I. ausgezeichnet und war der Großvater von Paul und Attila Hörbiger. Diese gelten als Begründer der Schauspieldynastie Hörbiger, die viele bekannte Mitglieder hervorgebracht hat, darunter Christiane Hörbiger, Elisabeth Orth, Christian Tramitz, Cornelius Obonya und Mavie Hörbiger.
Der jüngere, Bartholomä Hörbiger, lernte und arbeitete bei seinem Bruder und zog mit ihm nach Lienz. Von dort aus führte er kleinere Umbauten und Reparaturen an Orgeln in Südtirol durch, zum Beispiel 1836 in Klausen und 1838 in Wiesen. Ab 1842 lebte Bartholomä in Kärnten und begann selbstständig mit dem Orgelbau.
Bis zu seinem Tod im Jahr 1860 schuf er mindestens 14 einmanualige Kirchenorgeln, darunter auch jene in der evangelischen Kirche Eggen am Kraigerberg.
| Jahr | Ort | Rel. – Patr. | Manual/Register |
|---|---|---|---|
| 1842 | Berg im Drautal | kath. – Mariä Geburt | I/14 |
| 1844 | Obermillstatt | kath. – Johannes der Täufer | I/7 |
| 1844 | Arriach | kath. – Philippus und Jakobus | I/7 |
| 1845 | Trebesing | evangelisch | I/11 |
| 1846 | Krems in Kärnten | kath. – Andreas | I/5 |
| 1850 | Villach / St. Martin | kath. – Martin | I/10 – ersetzt |
| 1852 | Kaning | kath. – Johannes der Täufer | I/5 |
| 1853 | Waiern | evangelisch | I/9 |
| 1854 | Greifenburg | kath. – Katharina | I/10 |
| 1855 | Eggen/Kraigerberg | evangelisch | I/6 |
| 1856 | Deutsch Griffen | kath. – Jakobus d. Ält. | I/8 |
| 1858 | Kolbnitz | kath. – Jakobus | I/10 |
| 1860 | Zwickenberg | kath. – Leonhard | I/8 |
| 1860 | St. Daniel/Gailtal | kath. – Daniel | I/14 – ersetzt |
In den Jahren 1854/55 wurde in Eggen am Kraigerberg das alte, baufällig gewordene hölzerne Bethaus durch ein Gotteshaus aus Stein ersetzt. Im Zuge des Neubaus, der aufgrund der damaligen gesetzlichen Bestimmungen noch ohne Turm erfolgen musste, wurde auch eine Orgel von jenem Bartholomä Hörbiger errichtet.
Im 1860 erschienenen ersten Band von Karl Zimmermanns „Die Bauten des Gustav-Adolf-Vereins in Bild und Geschichte“ ist eine Abbildung des Bauwerks enthalten.

Über die Bautätigkeit und die Orgel heißt es in dem Bericht nur
„Obwohl der Herbeischaffung des Baumaterials , besonders des Kalks , wie der Orgel, der Kanzel und des Altars, zum Theil große Schwierigkeiten im Wege standen, wurden sie doch mit Gottes Hülfe überwunden und der Bau so rasch ausgeführt“.
Die mit einem Manual (Hand-Klaviatur) ausgestattete Orgel verfügt über sechs Register.
Fünf davon (mit den Bezeichnungen Flöte 8′, Gamba 8′, Prinzipal 4′, Flöte 4′ und Oktav 2′) werden über das Manual gespielt, eines (mit der Bezeichnung Oktavbass 8′) über das Pedal.

Der Registername (z. B. Flöte oder Gamba) gibt die Klangfarbe an; die Zahl mit dem Apostroph bezeichnet die Länge der längsten Pfeife des jeweiligen Registers in Fuß.
8′ entsprechen etwa 2,4 m; diese Register stehen in sogenannter Normaltonlage.
Die beiden mit 4′ bezeichneten Register klingen eine Oktave höher, das 2′-Register zwei Oktaven höher als die Normaltonlage.


Das Windwerk ist mit zwei Blasebälgen im Wechselbetrieb ausgestattet, die über Seile händisch zu bedienen sind.
Neben einem Organisten braucht es in Eggen also immer auch jemanden, der „die Orgel zieht“, damit die Musik den Gemeindegesang begleiten kann.

Die Kirche in Eggen wurde 1979/80 aufwändig restauriert, für die Instandsetzung und Renovierung der Orgel war aber kein Geld mehr übrig.
Dies geschah erst im Jahre 1986. Unter der Leitung von Pfarrer Heinz Sauer und den Kuratoren Peter Meierhofer vulgo Jakele in Stromberg sowie Oswald Lindenbauer konnte die Geldsumme von circa 200.0000 Schilling (entspricht im Februar 2026 ca.37.000 Euro) aufgebracht werden, um die Orgel zu retten.
Dafür wurden auch auf viele Spenden zurückgegriffen. Im Begleitschreiben zu so einer Spende, „Baustein für die Renovierung der Orgel“ genannt, wird zum Abschluss der Psalm 113 zitiert.

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