Der Richter und sein Henker

Am 25. Februar 1750 wurde Johann Pötscher vulgo Kogler wegen des Verbrechens der Blasphemie oder Gotteslästerung zum Tode verurteilt und hingerichtet. Zwei Personen waren daran maßgeblich beteiligt: Benedict Alphons Emperger als landesfürstlicher Bannrichter sowie Johann Georg Plözl als ausführender landesfürstlicher Freimann.

Die habsburgischen Erblande waren seit dem 13. Jahrhundert in sogenannte Landgerichte unterteilt. Diesen Gerichten, die ab dem 15. Jahrhundert vielfach adeligen Grundherren unterstanden, oblag die straf- und zivilrechtliche Rechtsprechung. Von der Zuständigkeit der Landgerichte ausgenommen waren der Klerus und der Adel, über die die persönlichen Gerichte des Landesfürsten – die Landschranne und das Hoftaiding – Recht sprachen.

Nicht jedes Landgericht durfte Todesurteile verhängen. Dies war nur jenen Gerichten erlaubt, die das „ius gladii“, den sogenannten Blutbann, besaßen.
Alle anderen, darunter auch das Landgericht Kraig, bedurften der Rechtsprechung des landesfürstlichen Bannrichters. Dieser hatte seinen Sitz bis 1774 in St. Veit an der Glan.


Benedict Alphons Emperger wurde 1711 in Simmerlach bei Irschen im Drautal geboren. Sein Vater David Emperger war Besitzer des sogenannten Ritschert-Hofes und Pfleger der gräflichen Herrschaft Ortenburg, die sich damals im Besitz der Grafen Porcia befand. Durch die relativ gute Stellung seines Vaters hatte er die Möglichkeit, Rechtswissenschaften zu studieren. 1736 heiratete er in Klagenfurt Johanna Klaudia von Hagenlohrer. 1739 scheint er als geschworener Advokat auf, und im Jahr 1745 übernahm er das Amt des landesfürstlichen Bannrichters.

Da Blasphemie oder Gotteslästerung ein todeswürdiges Verbrechen (auch Malefizverbrechen genannt) darstellte, wurde Emperger 1749 an das Landgericht Kraig gerufen, wo er am 16. November Johann Pötscher gütlich, also ohne Folter, befragte. Zwei Monate später sprach Emperger das Urteil über Pötscher und brach den Stab über seinem Kopf.

Maria Theresia erhob Emperger für seine „mit aller Integrität in diesen Ämtern geleisteten Dienste“ am 30. Oktober 1766 in den erblichen Adelstand mit eigenem Wappen und dem Prädikat „Edler von“. 1772/1773 führte Emperger den Prozess gegen die mutmaßliche Giftmörderin Eva Kary in Gmünd, deren Geschichte als „Eva Faschaunerin“ mehrfach künstlerisch verarbeitet wurde. Emperger verstarb 1788 in Klagenfurt. Als das Bannrichteramt 1807 aufgehoben wurde, bekleidete Johann Seyfried Edler von Emperger, der jüngste Sohn des Benedict Alphons, dieses Amt.


Der landesfürstliche Freimann, auch Scharfrichter oder Henker genannt, hatte – wie der Bannrichter – seinen Sitz in St. Veit an der Glan. Scharfrichter standen aufgrund ihrer Tätigkeit außerhalb der Gesellschaft und übten sehr oft auch die Funktion eines Abdeckers, Schinders oder Wasenmeisters aus. Hinter diesen drei Begriffen verbirgt sich ein Beruf, der für die Beseitigung von Tierkadavern und die Tierkörperverwertung zuständig war. Ihre Wohnorte befanden sich deshalb außerhalb der Siedlungen. Der landesfürstliche Freimann allerdings bewohnte ein Haus innerhalb der St. Veiter Stadtmauern in der Botengasse.

Scharfrichter verfügten durch ihre Tätigkeit über sehr gute anatomische Kenntnisse und waren deshalb oft auch als „Volksärzte“ tätig. Auch die Herstellung von Salben und Talismanen zählte manchmal zu ihren Nebeneinkünften. Dies war dem damaligen Aberglauben geschuldet, wonach gewisse Körperteile der Hingerichteten oder Teile des Henkerstrickes magische Wirkung hätten.

In seinem zu Beginn des 19. Jahrhunderts erschienenen Buch „Neueste Reise durch Oesterreich ob und unter der Ens, Salzburg, Berchtesgaden, Kärnthen und Steyermark“ berichtet Franz Sartori über den Nachrichter von St. V….. in Mittelkärnten, der dem Volk als Wahrsager diente.

Reste des Kraiger Galgens - Hinrichtungsstätte von Johann Pötscher

Die Reste des Kraiger Galgens in der Ortschaft Sand – Hinrichtung- und wahrscheinliche Begräbnisstätte des Johann Pötscher


Der Scharfrichter Johann Georg Plözl, der das Urteil an Pötscher vollzog, stammte aus einer Scharfrichterdynastie. Als sein Großvater Philipp Plözl 1720 im Alter von 74 Jahren starb, wurde er im Sterbebuch der Kirche St. Veit als „gewester Scharfrichter allda“ vermerkt.

Ob Gregor Pölzl, Knecht beim Kogler in Zwein und 1724 Taufpate des Gregor Pötscher ein Verwandter des Scharfrichters war lässt sich (noch) nicht nachweisen.

Johann Georg Plözl wurde am 18. April 1717 in St. Veit an der Glan als Sohn des Scharfrichters Michael Ludwig Plözl und seiner Frau Maria Catharina, geborene Freidl, geboren. Spätestens seit dem Tod seines Vaters im Jahr 1743, der im Alter von 52 Jahren verstarb, war er als Scharfrichter tätig.

Am 25. Februar 1750 wurde Johann Pötscher zunächst nochmals verhört, wobei es zu einer Befragung auf der sogenannten Streckleiter kam. Auf der „Freymanns Tax“ bezeichneten Rechnung des Johann Georg Plözl, die im Kärntner Landesarchiv aufbewahrt wird, ist das Auf- und Abwerfen von der Leiter eigens angeführt.

Danach wurde Pötscher von Plözl mit dem Richtschwert enthauptet, es wurde ihn die Zunge herausgerissen und an einen Pfeiler genagelt.

Kaisl: und Königl: Freymanns Tax

Von der Zurais 15 Kreuzer
Zehrung unterwegs36 Kreuzer
Früh oder Spatt Gebühr45 Kreuzer
Von der execution mit dem Schwert3 Gulden
Von der Zung heraus zu reisen1 Gulden 30 Kreuzer
Von den Feiller einzugraben und aufzustellen2 Gulden 15 Kreuzer
Von der Zung aufzuschlagen auf den Feiller1 Gulden 30 Kreuzer
Von der Laitter aufzuwerffen Und abzuwerffen1 Gulden 30 Kreuzer
Von den Cörper einzugraben2 Gulden 15 Kreuzer
Von ain Tag Costgeld3 Gulden
Dem Knecht als gebührliches Trünck geld2 Gulden
Total18 Gulden 36 Kreuzer

Am 30. März 1759 verstarb Johann Georg Plözl als k. k. Scharfrichter in St. Veit. Das Amt dürfte an die Familie Jakob übergegangen sein. Ein Scharfrichter namens Martin Jakob ist im Jahr 1809 in St.Veit gestorben.

Schreibe einen Kommentar

Bereitgestellt von WordPress.com.

Up ↑

Entdecke mehr von ZWEIN und der KRAIGERBERG

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen