25. März 1784 – Der erste evangelische Gottesdienst nach dem Toleranzpatent von 1781

Am Samstag, dem 13. Oktober 1781, reicht Freiherr Philipp von Gebler, Mitglied des Staatsrates, ein Schriftstück in der k.k. Hofkanzlei ein, das das Leben der Geheimprotestanten in Österreich grundlegend verändern sollte. Kaiser Joseph II. erlaubt darin den „augspurgischen und helvetischen Religions-Verwandten“ sowie den „nicht unirten Griechen“ ein „ihrer Religion gemäßes Privatexercitium“.

Während das Gesetz offiziell erst am 20. Oktober 1781 in Kraft tritt, veröffentlicht der Kaiser den Text bereits drei Tage zuvor, am Mittwoch, dem 17. Oktober, in der Wiener Zeitung. Für die einzelnen Teile des Reiches werden eigene Versionen erstellt, die sich jedoch nur in Details unterscheiden.

Mit der Veröffentlichung dieses sogenannten Toleranzpatents für Innerösterreich (Kärnten, Steiermark und Krain) am 29. Oktober 1781 endet auch bei uns nach über 180 Jahren die Gegenreformation. Dort, wo sich hundert Familien oder 500 Individuen finden, die einer der genannten Konfessionen angehören, darf ein eigenes Bethaus samt Schule errichtet werden. Die Bethäuser dürfen allerdings keinen Turm, kein Geläut und keinen Eingang von der Straßenseite aufweisen.

Im Dorf Arriach wird bereits im November 1781 ein hölzernes Bethaus errichtet. Anfang 1782 veröffentlicht der Bischof von Gurk, Joseph von Auersperg, einen Hirtenbrief, in dem er die Priester seiner Diözese dazu auffordert, die neuen Gesetze zu unterstützen.

Bis Ende 1782 bestehen in Kärnten sechs Pfarrstellen:

Arriach1850 SeelenJohannes Paul Hagen / Bratislava
Fresach/Puch 1450 Seelen Levin Friedrich Kurz / Schwaben
Trebesing/Radl1430 Seelen Christoph Gottlieb Dressler / Bratislava
Watschig1230 SeelenJohann Georg Renner / Weißenburg in Franken
Weißbriach/Weißensee 1200 Seelen Johann Gottfried Gotthardt / Ungarn
Zlan/Stockenboi1900 Seelen Johann Leopold Wohlmuth / Ödenburg

Die Obrikeit war von dem Ansturm überrascht und versucht gegenzusteuern. Ab dem 21. Februar 1783 muss deshalb vor der Meldung zum evangelischen Glauben ein sechswöchiger Übertrittsunterricht beim zuständigen katholischen Pfarrer absolviert werden. Dennoch kommen im Jahr 1783 folgende Pfarrstellen in Kärnten hinzu:

Bleiberg-Kreuth/Agoritschach 700 Seelen Friedrich Steinhauser / Crailsheim in Baden-Württemberg
Feld am See 1700 Seelen Matthäus Ferdinand Knopf / Nürnberg
Gnesau/Himmelberg 1100 Seelen Friedrich Sigmund Bechtolsheim / Pfalz;
nach dessen Tod: Gabriel Wucherer / Württemberg
Nöring/Eisentratten 1480 Seelen N. N. Wach
St. Ruprecht 700 Seelen Samuel Sachs
Tresdorf 753 Seelen Johann Augustin Braun / Bayreuth

Die ersten zwölf Kärntner Gemeinden befinden sich alle in Oberkärnten. Als erste Unterkärntner melden sich Ende 1783 die Kraigerberger als Protestanten. Nachdem sie den vorgeschriebenen Unterricht beim Pfarrer in Kraig absolviert haben, gründen sie Anfang 1784 die Gemeinde Eggen am Kraigerberg.

Nachdem einige Kraigerberger mehrfach bei Samuel Sachs, dem Pfarrer von St. Ruprecht im Moos, angefragt haben, ob er bei ihnen einen Gottesdienst halten würde, ist es schließlich so weit: Am Feiertag Mariä Verkündigung, Donnerstag, dem 25. März 1784, hält Sachs den ersten ordentlichen evangelischen Gottesdienst in Eggen am Kraigerberg.

Aufgrund des Fehlens eines Bethauses wird dieser im Stall des Johann Stromberger, vulgo „Hansel“, in Eggen abgehalten. Am Abendmahl beteiligen sich zu diesem Zeitpunkt 37 Kommunikanten.

Insgesamt sind damals, im März 1784, 72 Personen am Kraigerberg als der evangelischen Religion zugehörig registriert. Nachfolgend eine Aufstellung jener Gründer der Gemeinde Eggen am Kraigerberg, wie sie in den Aufzeichnungen des Samuel Sachs enthalten sind. Die Schreibweise der Nachnamen wurde an die heutige Schreibweise angepasst. In der Spalte ganz rechts sind in Kursiv genealogische Informationen ergänzt.

Mitglieder der evangelischen Gemeinde Eggen am Kraigerberg im März des Gründungsjahres 1784

Stromberg 1 vulgo Starzacher

Starzacher Anton Bauer60 Jahre
Starzacher  Appolonia seine Frau   52 Jahre
Starzacher Johannes sein Sohn  32 Jahre
Starzacher Franz sein Sohn 21 Jahreheiratet Catharina Perger, Enkelin des Egidius Perger vulgo Ille in Zwein (später Lenz)
Starzacher  Jakobsein Sohn 15 Jahreübernimmt vulgo Starzacher, heiratet Agnes Stromberger, wird 1809 wegen religiöser Beschimpfung katholischer Pfarrmitglieder angezeigt
Starzacher  Maria seine Tochter18 Jahreheiratet Mathias Stromberger vulgo Bartl (heute Mörtel)
Passiger Georg Knecht19 Jahre
Kohlmann Elisabeth  Dirn25 Jahre
Tulger MathiasKnecht20 Jahre
Burger MagdalenaGästin66 Jahre

Stromberg 2 vulgo Starzacher Badstube

Moser Valentin Fassbinder52 Jahre
Moser Klaraseine Frau37 Jahre
Moser Maria  seine Tochter15 JahreMutter des Sebastian Starzacher – Lehrer, Wirt und Bauer (Vater Paul Starzacher Sohn des Anton Starzacher)
Moser Helenaseine Tochter4 Jahre
Moser Josephsein Sohn22 Jahre

Stromberg 3 vulgo Bartl (heute Mörtl)

Eggner BartholomäusBauer75 Jahre
Stromberger Georg sein Schwiegersohn53 JahreBruder des Johann Stromberger vulgo Hansel in Eggen
Stromberger Mathiasdessen Sohn17 Jahreaus 2. Ehe mit Maria Kampl (Halbschwester des Blasius Kanatschnig vulgo Blase – heute Jakele) – übernimmt später vulgo Bartl – heiratet Maria Starzacher vulgo Starzacher
Stromberger Helenadessen Tochter15 Jahreaus 2. Ehe mit Maria Kampl (Halbschwester des Blasius Kanatschnig vulgo Blase – heute Jakele)
Springer GeorgKnecht26 Jahre
Höferer Georg Knecht25 Jahre
Springer Getraud Dirn22 Jahre

Stromberg 4 vulgo Bartl Badstube (heute Mörtl)

Aspernig Agnes   33 jahre
Starzacher Martin ihr Sohn  3 Jahreheiratet Anna Meierhofer und wird Bauer vulgo Spitz

Laggen 11 vulgo Schmölzer 

Meierhofer Maria Witwe50 JahreWitwe des Johann Meierhofer
Meierhofer Johann ihr Sohn24 Jahreerbt Schmölzer mit Schwester Maria – heiratet Martin Pötscher
Meierhofer Maria ihre Tochter19 Jahreerbt Schmölzer mit Bruder Johann – heiratet Katharina Platzer
Springer Mathias Knecht29 Jahre
Springer LorenzKnecht18 Jahre
Springer Leonhard Gast58 Jahre
Meierhofer Franz Gast58 JahreSchwager der Witwe
Kohlmann Peter Gast33 Jahre
Schwätzer Georg   Gast60 Jahre
Zachner Helena Gast56 Jahre

Stromberg 9 vulgo Blase (heute Jakele)

Kanatschnig Blasius Bauer40 Jahrewird später wieder katholisch
Kanatschnig Johannes sein Sohn9 Jahreaus 1. Ehe mit Anna Taumberger Vulgo Hanslbauer/Dörfl
Kanatschnig Maria seine Tochter12 Jahreaus 1. Ehe mit Anna Taumberger Vulgo Hanslbauer/Dörfl

Eggen 1 vulgo Hansel

Stromberger JohannBauer57 JahreWirt, Bruder des Georg Stromberger vulgo Bartl (heute Mörtel)
Stromberger Maria  seine Frau45 Jahregeb. Meierhofer vulgo Schmölzer
Stromberger Franz sein Sohn4 Jahre
Sittenberger Maria Dirn38 Jahre
Märkel Johannes Knecht18 Jahre
Büchler Maria lediges Kind7 Jahre

Weidenau 8 vulgo Spitz im Graben 

Meierhofer Balthasar Bauer36 JahreSohn des Vitus Meierhofer – unterer Drastischer
Meierhofer Anna seine Frau37 Jahregeb. Kollmann, Enkelin des Egidius Perger vulgo Ille in Zwein (später Lenz)
Meierhofer Nikolaus sein Sohn12 Jahre
Meierhofer Johannes sein Sohn10 Jahre
Meierhofer Maria seine Tochter15 Jahre
Meierhofer Anna seine Tochter7 Jahreheiratet Martin Starzacher
Meierhofer Gertraud seine Tochter5 Jahre
Meierhofer Klara seine Tochter2 Jahre

Zwein 5 vulgo Kogler

Pötscher Franz Bauer67 JahreSohn des Johann Pötscher
Pötscher Elisabeth seine Frau50 Jahregeb. Holzer
Pötscher Johannes sein Sohn24 Jahrespäter Bauer vulgo Kogler
Pötscher Martin sein Sohn18 Jahreheiratet Maria Meierhofer vulgo Schmölzer – kauft 1808 Mörtel in Stromberg
Pötscher Maria sein Sohn26 Jahre
Pötscher Anna    seine Tochter25 Jahre
Pötscher Elisabeth seine Tochter23 Jahre
Pötscher Margarethe seine Tochter19 Jahre

Zwein 6 vulgo Kogler Badstube

Pötscher Franz     Zimmermann, Polier30 JahreSohn des Georg Pötscher, Vorarbeiter Bethaus Bau 1785
Pötscher Maria   seine Frau27 Jahregeb. Bucher
Pötscher Maria seine Tochter10 Jahre
Pötscher Anna  seine Tochter6 Jahre
Pötscher Franz sein Sohn8 Jahre
Pötscher Georg   sein Sohn3 Jahre

Zwein 7 vulgo Zietner

Meierhofer Veit     Bauer47 Jahrekauft 1763 Zietner
Meierhofer Maria seine Frau37 JahreTochter von Georg Perger aus Eggen – heute Valtl
Meierhofer Lorenz sein Sohn17 Jahrekauft 1797 Lenz in Zwein
Meierhofer Franz sein Sohn11 JahreKnecht beim Zietner
Meierhofer Mathias sein Sohn4 Jahreübernimmt 1804 Zietner
Meierhofer Maria seine Tochter14 Jahreheiratet Franz Pötscher, später Johann Fritzlechner; Franz in Zwein
Brugger Sebastian Gast23 Jahre

Anlässlich des 240 jährigen Jubiläums des ersten Gottesdienstes, fand am Samstag den 23 . März 2024 eine Lesung der am Kraigerberg wohnenden Schriftstellerin Friederun Pleterski im Gasthaus Raunig statt.

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